9. November:Fest der Weihe der Erzbasilika des allerheiligsten Erlösers und Gedächtnis des hl. Theodor, Märtyrer

Die Erzbasilika des allerheiligsten Erlösers ist die "Mutterkirche" aller Kirchen des Erdkreises, seit dem 4. Jahrhundert die Hauptkirche Roms, die eigentliche Kathdrale des Papstes. Kaiser Konstantin erbaute die Basilika, die der hl. Papst Silvester am 9. November 324 feierlich einweihte, unter dem Titel des allerheiligsten Erlösers. Später erhielt sie den Namen des hl. Johannes des Täufers und heißt jetzt auch Laterankirche, nach den ursprünglichen Besitzern des Palastes. Papst Benedikt XIII. ließ sie erneuern und weihte sie am 28. April 1726.

Der hl. Theodor stammte aus einer christlichen Familie in Syrien und wurde als Soldat im Heere des Kaisers Maximian nach qualvollen Martern zum Feuertod verurteilt, weil er den Tempel einer heidnischen Gottheit verbrannt hatte.


Die sieben Gaben des Heiligen Geistes

Im Anschluss an die Prophezeiung des Isaias zählt man sieben Gaben des Heiligen Geistes auf. Der Prophet schreibt nämlich: «Doch wächst hervor ein Reis aus Isais Stumpf, ein Zweig bricht aus seiner Wurzel hervor. Auf ihn lässt sich nieder der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Frömmigkeit, und erfüllen wird ihn der Geist der Furcht des Herrn» (Is 11,1).

  1. Die Gabe der Weisheit vervollkommnet die Tugend der Liebe, und wie die Liebe die vollkommenste unter den Tugenden ist, so ist die Weisheit die vollkommenste unter den Gaben. Sie gibt uns eine gleichsam erfahrungsmäßige Erkenntnis Gottes und ein innerliches Verkosten der göttlichen Dinge gemäß dem Psalmwort «Kostet und seht, wie gut der Herr ist» (Ps 33). Diese Gabe ließ den hl. Apostel Johannes alles von der göttlichen Liebe her betrachten und entflammte ihn, immer wieder von dieser Liebe zu sprechen. Die Gabe der Weisheit stärkt auch unseren Glauben, denn wie könnte z.B. derjenige, der die Freuden der hl. Kommunion verkostet hat, an der Wahrheit dieses Sakramentes zweifeln. Ebenso stärkt sie unsere Hoffnung, denn wie könnten wir nicht all unser Vertrauen auf den setzen, dessen Liebe zu uns wir erfahren durften.
  2. Durch die Gabe des Verstandes erleuchtet uns der Heilige Geist, so dass wir die geoffenbarten Glaubenswahrheiten besser durchdringen können. Unter dem Einfluss dieser Gabe enthüllt sich uns z.B. der tiefere Sinn der Hl. Schrift. Sie zeigt uns auch, dass die Glaubenswahrheiten alle zusammenhängen und die Dogmen nicht wie einzelne Bauklötze durcheinanderliegen, sondern eine wahre Einheit bilden.
  3. Die Gabe des Rates gibt uns ein promptes und sicheres Urteil, was wir zu tun bzw. zu lassen haben, eine übernatürliche Intuition, die vor allem in schwierigen Fällen wichtig ist. Diese Gabe hat Christus seinen Jüngern versprochen, als er zu ihnen sagte: «Wenn sie euch überliefern, so habt nicht Sorge, wie oder was ihr reden sollt, denn es wird euch in jener Stunde gegeben werden, was ihr zu sagen habt. Denn nicht ihr seid es, die reden, sondern der Geist eures Vaters ist es, der in euch redet» (Mt 10,19 f). Die hl. Katharina von Siena konnte mit Hilfe dieser Gabe, obwohl sie jung war und nicht studiert hatte, die Ratgeberin von Prinzen, Kardinälen und selbst von Päpsten sein. Nur dieser Gabe ist es auch zuzuschreiben, dass die hl. Johanna von Orleans das französische Heer siegreich gegen die Engländer führen konnte, obwohl sie in der Kriegskunst vollkommen unerfahren war. Diese Gabe ist für uns alle sehr wichtig, damit wir in den großen Fragen unseres Lebens die richtige Entscheidung treffen können, z.B. in der Frage der Standeswahl oder des richtigen Verhaltens in den Gelegenheiten zur Sünde, denen wir unfreiwillig ausgesetzt sind.
  4. Die Gabe der Stärke gibt dem Willen eine solche Kraft und Energie, dass es ihm möglich ist, große und schwierige Dinge trotz aller Widerstände leicht und unerschüttert zu ertragen bzw. zu vollbringen. So konnte der hl. Stephanus seinen wütenden Gegnern unerschrocken die Wahrheit ins Gesicht sagen, und hll. Ordensleute konnten die Keuschheit auch in den schwersten Versuchungen unversehrt bewahren. Die Gabe der Stärke gab den Missionaren die Kraft, sich von unzähligen Hindernissen nicht entmutigen zu lassen, sondern sie zu überwinden, und natürlich konnten die Martyrer nur mit diesem besonderen Beistand des Heiligen Geistes die ausgesuchtesten Foltern mit großer Freude ertragen. Wir alle brauchen diese Gabe, um die vielfältigen Versuchungen unseres Lebens bestehen zu können, z.B. die Versuchung zur Menschenfurcht.
  5. Die Gabe der Wissenschaft hat nichts mit Wissenschaft im modernen Sinn zu tun, sondern zeigt uns die geschaffenen Dinge in ihrer Beziehung zu Gott. Sie ist die Wissenschaft der Heiligen und ließ z.B. den hl. Franz von Assisi in der Schöpfung zahlreiche Gleichnisse auf die Größe und Schönheit Gottes finden. Von dieser Gabe geleitet, werden wir uns nicht in dieser Welt verlieren. Sie bewahrt uns vor der Gefahr, nur ein innerirdisches Glück zu suchen, denn sie zeigt uns, dass alles Geschaffene nur als Abbild Gottes groß ist, aber vollkommen nichtig, wenn man es von Gott trennt. Um diese Gabe müssen wir beten, um immer besser zu erkennen, inwieweit es für uns gut ist, die Geschöpfe zu gebrauchen, und inwieweit es besser ist, sich von ihnen zu trennen.
  6. Die Gabe der Frömmigkeit bewirkt in unserem Herzen eine kindliche Liebe zu Gott und zu allen Personen und Dingen, die mit ihm in Verbindung stehen. Von ihr spricht der hl. Paulus mit den Worten: «Ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!» (Röm 8,15) Diese Gabe lässt uns Gott lieben wie einen Vater und bewirkt in uns die großmütige Gesinnung, uns für Gott zu opfern und seinen Geboten bereitwilligen Gehorsam zu leisten. Sie lässt uns mit der gleichen Gesinnung aber auch diejenigen lieben, die an Gottes Vollkommenheit Anteil nehmen, wie z.B. die Hl. Schrift, die Kirche, die Priester, Eltern und Vorgesetzten.
  7. Die Gabe der Furcht schließlich hat nichts mit Angst vor Gott zu tun, sondern macht uns zu einem kindlichen Respekt der Majestät Gottes gegenüber geneigt und lässt uns die Sünde als etwas Gott sehr Missfälliges fliehen. Die Gabe der Furcht bewahrt uns vor einer falschen Vertraulichkeit Gott gegenüber und lässt uns nicht vergessen, dass Gott nicht ein gleichgestellter Kumpel von uns, sondern der absolut Erhabene ist, wir aber das abgrundtiefe Elend sind. Von dieser Gabe erleuchtet sprach Abraham: «Ich habe gewagt zu meinem Herrn zu reden, obwohl ich nur Staub und Asche bin» (Gen 18,27). Gerade in unserer ehrfurchtslosen Zeit ist das Gebet um die Gabe der Furcht besonders notwendig, und man muss sich das Wort der Hl. Schrift vor Augen halten, dass «die Furcht des Herrn der Anfang der Weisheit ist». Mit Hilfe dieser Gabe erkennen wir die Schwere der Sünde und empfinden eine lebhafte Reue selbst über unsere kleinsten Fehler. Dabei steht sie keineswegs im Gegensatz zur Liebe! Wenn wir uns einer hochgestellten Persönlichkeit nähern, empfinden wir zwar zunächst Furcht und Angst. Diese wandelt sich aber in Liebe, wenn wir feststellen, dass diese Persönlichkeit uns mit größter Güte und Freundschaft begegnet, und diese Liebe wird um so größer sein, je größer der Respekt ist, den wir ihr gegenüber haben. So sollte auch unsere Liebe zu Gott entbrennen, wenn wir erkennen, dass dieser unendlich erhabene Gott uns doch wie seine vertrauten Freunde behandelt.

Die Entfaltung der Gaben

Die Lehre von den sieben Gaben des Heiligen Geistes gehört zu den begeisternsten unseres Glaubens. Wir erkennen, zu welcher Größe und Heiligkeit uns Gott schon in diesem Leben erheben will. Diese Gaben besitzt ein jeder von uns, wenn er im Stande der Gnade ist, aber die meisten von uns werden zugeben müssen, dass sie vom Einfluss dieser Gaben bisher noch wenig verspürt haben. Das ist auch ganz normal, denn nach den Lehrern des geistlichen Lebens treten diese Gaben erst bei den vollkommenen Seelen deutlich hervor. Das heißt aber nicht, dass sie vorher gar keine Bedeutung hätten, sondern nur, dass ihr Wirken bei den weniger Vollkommenen nicht so deutlich zu erkennen ist. Während wir die Tugenden selber üben können, haben wir auf die Gaben keinen direkten Einfluss. Sie sind in unserer Seele wie Segel, und wir müssen warten, bis der Heilige Geist sich würdigt, in diese hinein zu blasen. Allerdings können wir dem Wirken des Heiligen Geistes in uns immer mehr Raum schaffen, indem wir unsere Leidenschaften bezähmen und die Demut, Sanftmut und Keuschheit üben. Wie sollte nämlich eine Seele mit Leichtigkeit vom Heiligen Geist bewegt werden können, wenn in ihr noch leidenschaftliche Genusssucht, Zorn und Stolz herrschen? Es ist auch wichtig, dass wir oft an Gott denken und versuchen, seinen Einsprechungen, die uns zu Gebet und Opfer rufen, willig Folge zu leisten. Beten wir vor allem viel zum Heiligen Geist, z.B. mit den schönen Pfingstgebeten der Kirche, dem «Komm, Schöpfer Geist»

Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein,
besuch das Herz der Kinder Dein:
die Deine Macht erschaffen hat,
erfülle nun mit Deiner Gnad.

Der Du der Tröster wirst genannt,
vom höchsten Gott ein Gnadenpfand,
Du Lebensbrunn, Licht, Lieb und Glut,
der Seele Salbung, höchstes Gut.

O Schatz, der siebenfältig ziert,
O Finger Gottes, der uns führt,
Geschenk, vom Vater zugesagt,
Du, der die Zungen reden macht.

Zünd an in uns des Lichtes Schein,
gieß Liebe in die Herzen ein,
stärk unsres Leibs Gebrechlichkeit
mit Deiner Kraft zu jeder Zeit.

Treib weit von uns des Feinds Gewalt,
in Deinem Frieden uns erhalt,
daß wir, geführt von Deinem Licht,
in Sünd und Elend fallen nicht.

Den Vater auf dem ew'gen Thron
lehr uns erkennen und den Sohn;
Dich, beider Geist, sei'n wir bereit
zu preisen gläubig alle Zeit.

LECIM