1.April
Gründonnerstag


Martin Mosebach über die Katholische Kirche

Interview mit Alexander Görlach / The European

Aus diesem Interview zum Thema "Misbrauchsfälle in der Kirche":

Selbstverständlich muß die Kirche immer damit rechnen, daß in ihren Schulen und Internaten einzelne Erzieher sich an den Schülern vergreifen, das liegt in der Natur der Sache. Wo Kinder unterrichtet werden, finden sich stets auch Persönlichkeiten mit pädophilen Neigungen ein. Wir müssen uns aber fragen, wieso es in katholischen Internaten gerade in den unmittelbar auf das Zweite Vatikanische Konzil folgenden Jahren gehäuft zu Sexualstraftaten von Priestern gekommen ist. Es führt kein Weg an der bitteren Erkenntnis vorbei: das Experiment des “Aggiornamento”, der Angleichung der Kirche an die säkularisierte Welt, ist auf furchtbare Weise gescheitert. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil legten die meisten Priester die Priesterkleidung ab, sie hörten auf, täglich die Heilige Messe zu feiern und sie beteten nicht mehr täglich das Brevier. Die nachkonziliäre Theologie tat alles, um das überlieferte Priesterbild vergessen zu lassen. Alle Institutionen, die einem Priester auf seinem schwierigen und einsamen Lebensweg Hilfe geleistet hatten, wurden in Frage gestellt. Was Wunder, wenn viele Priester in diesen Jahren sich nicht mehr in überlieferter Weise als Priester empfinden konnten. Die priesterliche Disziplin, die gezielt verdrängt worden ist, wurde sehr weitgehend im Konzil von Trient formuliert. Auch damals war es darum gegangen, einer Verkommenheit des Klerus zu wehren und das Bewußtsein von der Heiligkeit des Priesteramtes neu zu wecken. Es ist schön, wenn jetzt die Amtsträger der Kirche die Opfer der Missetaten um Vergebung bitten, aber noch wichtiger wird es sein, die Zügel der Disziplin im Sinn des Konzils von Trient wieder anzuziehen und zu einem Priestertum der katholischen Tradition zurückzukehren.

Das gesamte Inverview als PDF-Datei, wie auf http://www.theeuropean.de veröffentlicht.

Es wird höchste Zeit, dass